Höchste Zeit also, mal wieder etwas zu schreiben!
Meine “Arbeitszeit” im Hostal habe ich am 27. Februar beendet. Eigentlich war ja vorgesehen, dass ich bis Ende März im Hostal arbeite und dann noch ein paar Tage in Chile herumreisen werde, bevor ich dann wieder nach Hause fliege. Aber Pläne sind schliesslich da, um über den Haufen geworfen zu werden…
Und irgendwie hatte ich auch genug Betten gemacht, Abfallkübel mit versch..mutzem Toilettenpapier geleert, Geschirr abgewaschen, Wäsche aufgehängt, Böden geschruppt, Gäste eingecheckt und wieder ausgecheckt, Telefonate entgegengenommen, die Türe geöffnet, Frühstücke zubereitet und mit dem Wasserschlauch im Garten “umegötschet”. Und wenn es mir dann einmal richtig, richtig langweilig war, habe ich mich im Internet herumgetrieben oder bin in meiner geliebten Hollywoodschaukel gelegen und habe gelesen… Aber das kam ja soooo selten vor. Nur zum Spanischverben büffeln kam ich nie so recht. Ich weiss nicht warum.
Am 27. Februar hatte ich wie gesagt meinen letzten Arbeitstag, welcher mit einem chilenisch-schweizerischen Mittagessen gefeiert wurde. Das Beste war das Dessert: Die Guetsli, die meine Mutter mir geschickt hat und die ich artig bis zu diesem Event aufgespart hatte.
Am Abend bin ich zum letzten Mal in “mein” Gimnasio, um mich von meinen Luftsprüngen-Amigos (die Mitschüler des Taekwon-do) und anderen Muskelprotzen und Protzinnen zu verabschieden. Und am Samstagmorgen kam dann das Kampfsoili, welches drei Tage von Ecuador über Peru bis zu mir gereist ist. Am Sonntag ging die Abschiedstournee weiter. Wir wurden von den Hostalbesitzern zum z’Mittag eingeladen. Ich dachte, ich schaffe diese Abschiedstournee ohne Tränen. Aber als ich mich dann am Abend von der Putzfrau im Hostal verabschieden musste, die mir richtig, richtig ans Herz gewachsen ist, heulte ich mal wieder Bäche.
Mit dem Nachtbus ging es von La Serena nach Santiago, und von dort aus, nach einem kurzen Zwischenstopp, weiter nach Puerto Montt, in den Süden. Mannnnnnnn! War das kalt dort unten! Zum Glück haben wir uns in Santiago noch je eine wärmere Jacke ausgeliehen. Ohne diese wäre ich wohl auf der Stelle erfroren. Wir verbrachten ein paar ganz nette Tage im Süden – wir hatten riesiges Glück mit dem Wetter – normalerweise “seichts” dort sehr sehr oft. Wir assen orginial chilenisch-deutschen Kuchen, besuchten kleine Orte, schlenderten durch Fisch-, Gemüse und Touristen-Souvenir-Märkte, machten nur etwa siebenmillionentausendfünftachtdrei Fotos vom Vulkan Osorno, assen in einem Restaurant sensationelle Pasta, suchten vergebens in der Disco chilenische “Minos”, schmiedeten neue Reisepläne und bestiegen am 8. März bereits wieder das Flugzeug nach Santiago, wo wir ebenfalls ohne auch nur eine Minute zu verlieren, direkt den Bus nach San Vicente nahmen. In diesem kleinen Kaff, ca. zwei Stunden von Santiago entfernt, verbrachte das Kampfsoili ihr Austauschjahr. Die zwei Tage dort glichen einem regelrechten Marathon: Da mussten Grosseltern, Schule, Eltern, Tanten, Hunde, undundund besucht werden. Am Montag hiess es auch da wieder Abschied nehmen, zurück nach Santiago!
Da ich noch nicht genug Kleider und Staubfänger zu Hause habe, schalteten wir einen Shoppingtag in Santiago ein… Am übernächsten Tag hat mich das Kampfsoili verlassen, ist wieder nach Hause in die kalte Schweiz gereist.
Und ich habe mich am selben Abend auf den Weg nach Argentinien gemacht, in einem kleinen Minibus, wo ich mir, da er nicht voll war, die hinterste Sitzreihe ergatterte und so mich auf fünf Sitzen ausbreitete, bzw. hinlegte. Da es am Abend vorher mal wieder spät, bzw. sehr früh wurde, schlief ich nach einer Stunde Busfahrt wie ein Murmeltier. Nur am Grenzübergang musste ich mich aus dem Bus quälen. Die Chilenen wie die Argentinier machen normalerweise rigorose Gepäckkontrollen, alles wird angeschaut. Der argentinische Zollbeamte war extrem motiviert, schaute über unser Gepäck, nickte kurz mit dem Kopf und fertig war die Kontrolle. Auch die beiden chilenischen Polizisten, welche mich um die Wette anbaggerten, machten nicht lange “Fäderläse”. Ich war froh, so dauerte die ganze Ausreise-, bzw. Einreiseprozedur nur etwa 1 1/2 Stunden. (Das letzte Mal, als ich nach Mendoza gereist bin, verbrachte ich nette drei Stunden am Grenzübergang). Diese neun Stunden Busfahrt vergingen wie im Flug…ich verbrachte ein paar Stunden in Mendoza, bevor ich meine Weiterreise antrat. Nach weiteren gut 21 Stündchen Busfahrt bin ich hier in Salta, im Norden von Argentinien, angekommen. Ich habe geplant, in den nächsten Tagen nach Bolivien zu reisen. Dafür musste ich in Chile noch schnell die Gelbfieberimpfung machen. Wir suchten dort also in ein Impfzentrum auf, aber ohne ärztliches Rezept piksen die einen nicht. Glücklicherweise befand sich neben dieser Klinik noch eine andere Superspezialprivatweissauchnichtwasklinik, wo wir dann eine echt nette Spezialärztin für innere Medizin fanden, die mir ein Rezept ausstellte, das lächerliche CHF 50.– kostete und auf dem Stand: “S. J. kann gegen Gelbfieber geimpft werden”. Und weil ich für diese 50.- Anrecht auf Beratung habe, fragte sie mich noch, ob ich schwanger sei, mich gesund fühle, und ob ich meinen Blutdruck messen oder mich wägen möchte. NEIN DANKE, ich weiss, dass ich zugenommen habe, meine engen Hosen sprechen eine genug deutliche Sprache. So bin ich jetzt also geimpft und entwurmt und fettgepolstert genug, um die Reise nach Bolivien zu wagen. Mal schauen, ob sie mich einreisen lassen. Die Gelbfieberimpfung muss mindestens 10 Tage alt sein, dass sie einen passieren lassen und das ist bei mir natürlich nicht der Fall….vielleicht helfen ein paar dicke Krokodilstränen, damit sie sich meiner erbarmen und das kleine, blonde, brave Mädchen einreisen lassen. Ich habe gehört, dass Weinen auf Befehl sehr nützlich sein kann, gell Kampfsoili?
März 18, 2009 um 9:31 pm |
Hermanita, es muss nicht mal auf Befehl sein. Krokodilstränen müssen nur echt wirken, im richtigen Moment rausgedrückt werden können und man muss vor allem selbst von seinem eigenen Elend überzeugt sein. So bringt man sogar ein Schweizer Sackmesser durch die Sicherheitskontrolle
März 31, 2009 um 6:42 pm |
Hey Swati. Ich bin scho grad e chli iversüchtig, wänn ich i dim Blog läse und es chömed super Erinnerige vo minere eigene Reis in Chile wiede höch.
Ich wünsche dir no ganz viel Spass, hald eifacht e supermegultimativhammermässigi Zyt.
Take Care, Andrea