- Alle Lamas gehen. Nur eines springt aus der Reihe!
- Lagune, Name unbekannt :-)
- Irgendwo beim Salar de Uyuni
- Meine Reisebegleitung
..Ich kann mich schon fast nicht mehr daran erinnern.
Nachdem ich meine Blasen-Darm-Magen-wasweissich-Erkrankung durchgestanden hatte, machte ich mich mit meiner Reisebegleitung, welche ich in Salta traff, Richtung Bolivien auf. Von der Grenzstadt “Qiaca” spazierten wir nach Bolivien. Es war bereits empfindlich kälter als im Norden von Argentinien. Brrrr…die Einreise klappte ohne Probleme. Die Grenzwächter waren ganz schön mürrisch.
Dumm war nur, dass meiner Reisebegleitung nach ca. 30 Minuten Aufenthalt in Bolivien der Tagesrucksack gestohlen wurde. Und das ging so: Da es in Villazon keinen einzigen funktionierenden Bancomaten gab, mussten wir nach alter Manier Geld wechseln. Wir liessen also unsere Rucksäcke zurück und beauftragten das “Irish-Chick” mit ihrer Begleitung, auf unsere Rucksäcke aufzupassen. Als wir zum Busterminal zurückkehrten und in den Bus steigen wollten, bemerkten wir, dass der Tagesrucksack weg war. Und was lernen wir daraus? Traue keinem Fremden. Ipod, Reiseführer, VERPFLEGUNG, alles weg. Zum Glück war der Pass nicht im Rucksack. Dachten wir. Am nächsten Tag dann wurde uns bewusst, nachdem wir ALLES gekehrt hatten, dass der Pass von meiner Reisebegleitung doch im Rucksack war. Gut. Reiseplan-Änderung. Statt auf eine nette Tour zum Salar de Uyuni, reisten wir am Tag darauf nach La Paz. Vorher mussten wir noch zur “Policia Touristica”, um einen Passverlust ausstellen zu lassen. Der war gar nicht mal so teuer, wie wir im Nachhinein erfahren haben. Die Damen in Uniform und Absatzschuhen waren uns gut gesinnt. Die fünfzehn Stunden Busfahrt nach La Paz war alles andere als entspannend. Es war arschkalt. Und Toiletten gibt’s in diesen Bussen auch nicht. Und geteerte Strassen ebenfalls nicht. Zum Glück war es dunkel und ich sah nicht in den Abgrund. Aber ein paar Mal dachte ich an die Zeitungsmeldungen: “Bus in Bolivien verunglückt, mehrere Tote…” Autsch. Mit einem Schädel-Hirntrauma (wegen den vielen Schlaglöchern) kamen wir in La Paz an. Dort war es nicht gerade viel wärmer. Das warme Wasser im Hotel fehlte ebenfalls und so konnte ich entspannt eine Kaltwasserdusche geniessen und war für die nächsten paar Stunden steif wie ein Eidechslein. Ohne Reiseführer gestaltete sich die Suche nach einer zweckmässigen Unterkunft sowie Infos zur Stadt nicht gerade einfach.
Am nächsten Tag dann Besuch bei der Botschaft. Vorher noch Fotos machen. Da das Ausstellen des neuen Reisepasses fünf Tage in Anspruch nahm, entschieden wir uns, die Tour zum Salar de Uyuni von La Paz aus zu starten. Das hiess: Zuerst 15 Stunden Busfahrt zurück nach Uyuni. Dieses Mal verteilten sie Wolldecken im Bus, was sehr nett war. Weniger nett war die Dame aus Frankreich, die eine Sitzreihe vor uns grosszügig und breit gefächert über Sitze und in den Korridor erbrach. Meinen Rucksack konnte ich erst zu Hause in der Schweiz richtig reinigen. Ziemlich gerädert kamen wir um 06:30 Uhr in Uyuni an und brachen drei Stunden später zur 3-Tages-Tour auf. Wir quetschten uns zu siebt in einen Jeep. Walter, unser Chauffeur, war alles andere als gesprächig. Wir besuchten die obligaten Touristen-Attraktionen: Salar de Uyuni, Cementerio de trenes, Salzhotel auf dem Salar, und Isla de pescadores. Dort kam es zu einem unerfreulichen Zwischenfall: Meine Reisebegleitung stieg auf einen Tisch, um einen netten Sprung zu machen für ein “Jump-Foto”. Leider brach einen Teil der Tischplatte. Der Parkwächter kam zügig angerannt (ich wusste nicht, dass die Bolivianer so schnell sein können!) und meinte, dass wir den nun bezahlen müssten. Mindestens 150 Bolivianos wollte er dafür, was umgerechnet CHF 25.- waren. Ein Vermögen! Nach einem längeren Gespräch konnte ich den Preis auf 100.- herunterhandeln und “dummerweise” hatte ich nur 80 Bolivianos im Portmonee. Sie waren zufrieden. Geflickt ist diese Tischplatte bis heute nicht. Als wir am Abend in unserer Unterkunft ankamen, machte sich Walter sofort aus dem Staub. Am nächsten Morgen roch er ganz übel nach Alkohol. Ich dachte an das Atem-Alkohol-Testgerät “Dräger Alcotest 7410″ der Stapo Zürich. Aber dann hätten wir unsere Tour zu Fuss fortsetzen müssen. Tag zwei war ebenfalls ganz nett und Walter erklärte uns, als wir ein paar Lamas sahen, dass dies nun eben Lamas seien. Ich war immer sehr froh um seine ausführlichen Erklärungen. Nur am Abend in der Unterkunft war es a…kalt. Zum Glück waren wir alle in einem Zimmer und so musste ich nicht erfrieren. Am Morgen wurden wir um 04:00 Uhr aus den Federn gerissen, damit wir die Geyser sehen konnten, die jeweils vor allem am Morgen früh aktiv sind. Beim ersten stieg ich noch aus dem Auto, beim zweiten blieb ich lieber eingemummelt in Schlafsack im ebenfalls kalten Auto. Ich hatte diese bereits in Chile gesehen. Dann ging’s weiter zu den heissen Quellen, kleine Naturthermalbäder. Aber draussen war es soooo kalt, dass ich lediglich meine steiffgefrorenen Füsse in das warme Nass tauchte. Zum Frühstück gab’s Pancakes. Premiere für mich! Aber die Palacinke von meinem Papi sind besser. Dann gings weiter – diverse Lagunen, Lamas, Wüstensand und Lavasteine, bis zur Grenze zu meinem geliebten Chile. Doch wir mussten zurück nach Uyuni. Dort angekommen blieb uns nur noch kurz Zeit, um zu duschen und im Eiltempo etwas zu Essen. Nach einer erneut frostigen Nacht auf der Holpperpiste ging’s direkt in La Paz zur Botschaft. UFF! Ein gutes Gefühl, den Ersatzreisepass in den Händen zu haben. Noch am selben Abend nahmen wir den nächsten Bus. Reiseziel: Buenos Aires, Argentinien. Fahrzeit: lächerliche 48 Stunden. Wir entschieden uns aber, nicht alles am Stück zu fahren. So gings in der 1. Nacht zuerst zurück nach Villazon, an die Grenze zu Argentinien. Dort konnten wir endlich, nach zwei Nächten im Bus und jämmerlicher Katzenwäsche, richtig duschen. Bolivien spielte an diesem Tag gegen Argentinien Fussball. Darum wurde die Busabfahrt ein wenig verschoben, die Chauffeure wollten schliesslich sich den Match ansehen! Die Bolivianer freuten sich riesig über den Sieg und ich musste feststellen, dass dort gewisse Fussballfans dort genauso hohl sind wie hier. Die Grenzwächter in Bolivien waren dieses Mal weniger mürrisch als bei der Einreise. Immerhin.
Keine drei Stunden später sassen wir wieder im Bus. Dieses Mal in einem chicen Argentinischen Bus. Die Sitze waren ähnlich feudal wie in den gehobenen Flugklassen. Und dann fuhren und fuhren und fuhren und fuhren wir. Es nahm kein Ende. Die Landschaft veränderte sich nicht gross. Das einzige “Highlight” war eine Kontrolle der Argentinischen Grenzwächter irgendwann mitten in der Nacht. Sie weckten aber nur die Indios im Bus, diese mussten sich einer rigorosen Kontrolle unterziehen…
Und dann, endlich- Ankunft in aller Herrgottsfrühe in Buenos Aires nach Millionentausendachtviersechzigneundrei Stunden im Bus. Leider hatten wir vergessen, uns die Adresse des Hostals aufzuschreiben und so mussten wir fast zwei Stunden warten, bis das Internetcafe am Busbahnhof öffnete. Ankunft im Hostal. Duschen! Was für ein Erlebnis. Und dann, schlafen, schlafen, schlafen.
Nach diesen drei Nächten im Bus brauchte ich einen Filzstift, um den “Füdlispalt” zwischen meinen plattgesessenen Pobacken neu zu zeichnen.
Aber es war warm in Buenos Aires! Richtig schön warm. Wir machten nicht viel, ein bisschen in der Stadt rumbummeln, faulenzen. Da Uruguay einen Katzensprung von Buenos Aires entfernt liegt, und das Einreise-Stempel-Sammeln für meine Reisebegleitung von neuem begann, wollten wir noch schnell einen Abstecher dorthin machen. Mit dem Schnellboot ging es von Buenos Aires nach Colonia de Sacramento. Dort verbrachten wir wiederum drei nette Tage am Rio de plata, welcher alles andere als silberfarbig,sondern dreckig braun ist. Aber dafür warm.
Das Städtchen war ganz hübsch und ruhig – Sacramento gilt als eine Ferienoase für gestresste Argentinier.
Und dann hiess es: Abschied nehmen in Buenos Aires. Meine Reisebegleitung verliess mich am 9. April und flog zurück nach Hause. Ich setzte mich Stunden später, nach einem ausgedehnten Shoppingmarathon, in den Bus, welcher mich mehr oder weniger sicher zurück in meine “Heimat”, nach Santiago de Chile, brachte. Dort war tote Hose. Es war Karfreitag. Ich checkte mich in einem “In-Hostal” ein, welches bekannt ist für grosse Partys und viel Spass. Ich dachte, dass mich das ein wenig ablenken könnte. Aber als ich sah, welch “junges Gemüse” sich in diesem Hostal tummelte, verging mir die Lust dazu. Ich streifte stattdessen noch ein wenig durch die Stadt. Meine ganze ”Familie” war wegen den Osterfeiertagen in La Serena. Für mich lohnte sich die sechsstündige Busreise dorthin nicht mehr, da ich am Sonntagmorgen meinen Heimflug hatte. So blieb ich in Santiago, verbrachte die Zeit damit, meine letzten Pesos zu vershoppen. Am Samstagabend meldete sich mein “Cousin” und wir beschlossen, zusammen zu einen Konzert zu gehen. Der Abend war wirklich ganz lustig, bis zu dem Zeitpunkt, als es zu einer unschönen Szene kam. Mein Cousin dachte wohl, er habe mich für sich “alleine gebucht” und er ertrug es ganz und gar nicht, dass sich andere Männer ebenfalls in meine Nähe wagten. Das ganze endete damit, dass ich zwischen zwei Typen, meinem Cousin und dem Türsteher, welcher aufgrund der eher turbulenten Szene breit, gross und muskulös vor mir stand, zu verhandeln versuchte. Ich brüllte wie ein tollwütiger Löwe. Schliesslich zogen die zwei Kontrahenten von meinem Cousin ab. Ich war stinksauer. Wir verliessen den Club, ich bestellte ein Taxi. Mein Cousin wollte mich partout nicht alleine nach Hause gehen lassen und kam mit. Vor dem Hostal stieg ich wutentbrannt aus dem Taxi, drückte ihm das Fahrgeld in die Hand und machte mich aus dem Staub. Kein Tschüss, nichts. Was für ein toller Abschied!
Wenn sich Männer um einen streiten, dann ist es Zeit, nach Hause zu gehen. Und so stand ich, nach knapp drei Stunden Schlaf noch ziemlich be..müde am Check-in und hoffte, dass sie mich mit meinem Übergepäck ohne Zusatzkosten passieren lassen. Sie liessen mich passieren. Im Flugzeug konnte ich dann endlich ein wenig frühstücken. Die leichten Turbulenzen beim Start ergänzten meine eh schon miese Stimmung optimal. Ich war traurig und glücklich zugleich. Traurig, weil die Zeit so schnell vorbeigegangen ist. Eben erst sass ich noch im Flugzeug, mit einem flauen Gefühl im Magen, was mich wohl in Chile erwarten würde? Nun sass ich, knapp 5 1/2 Monate später, wieder im Flugzeug, ebenfalls mit flauem Gefühl in der Magengegend. Was wird mich zu Hause erwarten? Vieles wird sich ändern, ich werde viel zu erledigen haben, ich stellte mich aufs Schlimmste ein. Aber das Wetter in Zürich war frühlingshaft und wunderschön. Ein perfekter Tag um nach Hause zu kommen! Ich freute mich riesig, meine Familie wieder zu sehen, und doch war ich traurig, alles vorbei. Aber es war alles gar nicht so schlimm und nach sieben Waschmaschinenladungen war auch der dreckige Wäscheberg verschwunden.




August 22, 2009 um 8:50 pm |
Also irgendwie fehlt mir ein Teil dazwischen…vielleicht derjenige wo ich auch drin vorkomme?