Auf Reisen, Teil I

Wie ich bereits kurz nach meiner Heimkehr angedroht habe, dass ich bald wieder weggehen werde, sobald ich genügend Überstunden habe, ist nun “bittere Wahrheit” geworden. Am 10.01.2010 bin ich nach Hongkong geflogen. Geplant sind zwei Monate Vietnam / Kambodscha/ Laos. Geplant war, dass ich diese Reise mit meiner besten Reisebegleitung machen werde. Aber es ist nun mal so, dass nicht alles so klappt, wie man sich es manchmal wünscht und so musste ich mich alleine von meinen lieben “Daheimgebliebenen” verabschieden. Aber die Reisebegleitung in Form meiner Schwester ist Tage später doch noch eingetroffen, mit frischt revidierter Nase….
Vom 11 stündigem Flug nach Hongkong habe ich nicht viel mitbekommen, weil ich 8 Stunden geschlafen habe…ich war wirklich müde, die Reiseplanänderung mit allem drum und dran hat mich ziemlich mitgenommen.
Hongkong ist ja so sauber, da kann man ohne Bedenken vom Boden essen, alles blitzblanksauberaufgeraeumtordentlich. Ui! Das Hostel, das die daheimgebliebene Reisebegleitung gebucht hat, war irgendwo in einem unscheinbaren Gebäude, draussen war nichts angeschrieben, keine Klingel, nichts. So musste ich wie eine streunende Katze draussen warten, bis ein paar andere kamen, die Türe aufmachten und ich mich hineinschleichen konnte. Der Portier, der mich wohl die ganze Zeit gesehen haben muss, wie ich draussen wartete, konnte glücklicherweise keine andere Sprache als Hongkongisch.Und so stand ich in einem Lift mit 12 Stockwerken und wusste nicht, wo nun das Hostel ist. Nach ein paar Fehlgriffen fand ich dann endlich das richtige Stockwerk. Uff!

Am nächsten Tag gings früh wieder an den Flughafen, und dann nach Ho Chi Minh-City, wo mich der Freund der Schwester netterweise am Flughafen abholte. Wir verbrachten fast eine Woche in dieser Moto-verrückten Stadt. Da herrscht ein unglaubliches Chaos auf diesen Strassen, zum Glück fahren die nicht so schnell und eigentlich ganz rücksichtsvoll…

Nach diesen paar Tagen hatten wir genug von der Stadt und so flogen wir am 18.01. nach Bangkok. Stunden später traf dann ENDLICH meine Schwester ein. Ein Nasenbär der etwas anderen Sorte stand uns da gegenüber… ;-)
Nach zwei Tagen Sightseeing hatte ich genug und machte mich alleine auf den Weg nach Kambodscha. Noch an der Grenze, an meinem letzten Stopp, holte mich meine Schwester wieder ein, und so überquerten wir am 22.01.die Grenze nach Kambodscha, wo wir nur nach ein paar Minuten in diesem Land eine heftige Diskussion mit einem Gepäckträger hatten, der uns doch sagenhaft viel Geld abköpfen wollte, für das bisschen Gepäcktragen (und das erst noch in einer Art Schubkarre!), dass wir da ein wenig verhandeln mussten. Schliesslich bekam er nichts, bzw. wollte das, was wir ihm geben wollten, nicht annehmen. Da wir bereits von meinem Reiseführer gewarnt waren, dass es da ein paar Gauner gibt in diesem Land, waren wir auf der Hut, und liessen uns an der Grenze nicht die Temperatur messen, um zu überprüfen, ob wir vielleicht an der Schweinegrippe litten…
In einem Privatauto wurden wir in die nächste Stadt chauffiert, wo wir dann wiederum ein einen anderen Bus “verladen” wurden, und von diesem dann wiederum in den nächsten….auf dem Werbe-Plakat war ein schöner, grosser, moderner doppelstöckigen Bus zu sehen…aber eben, die Werbung verspricht so manches. Auf meine Nachfrage, wo denn dieser bleibt, hiess es, dass dieser heute gerade nicht fahren würde. Ich habe bis jetzt in diesem Land noch kein so moderner Bus, wie er auf diesem Plakat abgebildet war, gesehen….
Unser Ziel hiess Sihanoukville, eine Badeort an der Küste. Ganz hübsch. Das Hotel hatten wir ganz in der Nähe vom Strand und so machten wir am Tag darauf eine dreistündige Strand-Tour. Und verbrannten uns “gottsjämmerli”. Auf unseren Schultern hätte man gut Spiegeleier für eine halbe Armee braten können. Jetzt haben wir eine ganz schöne “Fellzeichnung” in Form von unseren T-Shirt-Abdrücken.
Am 24.01. machten wir uns wieder auf den Weg, weiter Richtung Norden, in einer kleinen Stadt, beinahe touristenfrei, haben wir uns niedergelassen. Im überfüllten Bus waren wir die einzigen Touristen…als wir an der Hauptstrasse ausgeladen wurden, sind wir einmal mehr von Moto-Taxifahrern belagert worden. Wir blieben aber hart und machten uns zu Fuss in Richtung Dorf. Ein Moto-Fahrer zeigte sich besonders aufdringlich und bot uns an, uns am nächsten Tag ein bisschen herumzuchauffieren, um Land und Leute zu zeigen. Pünktlich am nächsten Tag holte er uns ab und wir fuhren zu dritt auf seinem kleinen Motorrad in der Gegend rum, an Reisfeldern vorbei, `Flooting Villages` etc. Nur das Snackangebot von seinen Freunden, bestehend aus gebratenen “Heugümper” und Wasserschlange, lehnten wird bestimmt, aber dankend ab. Am Mittag gings dann mit dem Bus bereits wieder weiter, nach Battambang. Wieder mehr Touristen, noch mehr Tuk-Tuk-Fahrer…

Nach zwei Tagen und ein paar netten Ausflügen gings erneut weiter, nach Siem Reap. Angkor Wat erwartete uns! Und Milliardentausendhundertfünf andere Touris….am Tag eins nach Ankunft haben wir uns vorgenommen, diese `antiken Steinhaufen` anzusehen, aber der Versuch scheiterte daran, dass der Wecker, welchen wir auf 6:00 Uhr stellten, wie von Zauberhand abgestellt wurde. So besichtigten wir das Minen-Museum, welches ein wenig ausserhalb der Stadt liegt. Nach dem Besuch war ich ziemlich nachdenklich. Unglaublich, wieviele Anti-Personen-Minen noch in Kambodscha liegen. Unglaublich, wieviel Leid die in der Bevölkerung anrichten. Und es trifft immer die ärmsten…da kommen einem die eigenen Probleme nur lächerlich vor.

Am nächsten Tag haben wir uns aber wirklich früh aus den Federn gekämpft, um einen absolut uspektakulären Sonnenaufgang im Angkor Wat anzusehen. Bei absoluter Dunkelheit in den Strassen, ohne eigenes Fahrradlicht, sind wir um 05:30 Uhr losgeradelt. Eigentlich bin ich ja nicht an einem Nahtoderlebnis interessiert. Wir verbrachten den ganzen Tag damit, von einem Wat zum anderen zu radeln. Die Elefanten, die bei einem Wat auf Touristen warteten, und die uns die Bananen ziemlich frech aus der Hand nahmen, fand ich super. Aber am Abend hatte ich defintiv genug Steine gesehen. Am darauffolgenden Tag hiess es: Khmer Cooking Class. Zu zweit haben wir geraffeltgeschnetzeltgerührt und die Hände verworfen. Sie haben verstanden, dass wir Vegis sind. Was sie aber nicht verstanden: dass wir weder Hühnerpulver, Krabben- oder Fischsauce und keine Maggi-Rindsbouillon in unserem Essen haben wollten. Grosszügig schüttete die Köchin von diesem Teufelszeug in mein Essen. Als ich ihr zu erklären versuchte, dass das weder nötig, noch von mir gewünscht sei, meinte sie nur, dass das ja nicht ins Essen reingehe, sondern nur für den guten Geschmack sorge. Aha. Gut, wenn das so ist. Wir kochten ungeheuerlich grosse Portionen. So hatten wir auch noch was übrig für das Abendessen.
04:30 aufstehen, im Minibus gings Richtung Laos. Am Grenzübergang wurde uns beschieden, dass der Grenzübertritt nach Laos in Kambodscha 2 USD, in Laos dann 3 USD kostet. Wegen der Ueberzeit der Grenzwächter. Die arbeiten ab 16:00 Uhr und an den Wochenenden auf Ueberzeit. Schönes Grenzwachleben! Bei Dunkelheit sind wir dann auf Dong Dhet, auf einer eher touristischen, der 4000 Mekong-Inseln, angekommen. Basic-Bungalow, aber direkt am Mekong. Mit dem Fahrrad sind wir am nächsten Tag auf den zwei Inseln herumgekurvt und haben uns den Tag darauf eine Kajak-Tour gebucht. 5h paddeln reichte mir vollends . Es war ja das erste Mal in einem solchen Boot. Und unser Guide sprach kaum ein Wort Englisch. Und ich glaube, ich konnte auch besser schwimmen als er. Zum Glück hatte der Mekong kaum Strömung…

Am 03.02.10 hatten wir genug vom Inselleben und fuhren mit dem Bus direkt nach Pakse, weiter Richtung Norden. Von dort aus weiter nach Tad Lo, ein kleines Dorf. Wir mussten 4h im Nirgendwo warten, weil die Strasse durch einen umgekippten Kleinlaster blockiert war….spätabens kamen wir an, ziemlich müde, ziemlich dreckig. Die Unterkunft war noch mehr Basic als auf Dong Dhet. Die Dusche hat den Namen eigentlich gar nicht verdient, ein kleiner Rinsal kam aus dem Duschkopf….und mein Bett war hart wie der hölzerne Fussboden und ich konnte deutlich riechen, dass mein Bett vorgängig von einem Typen mit mittlerer bis starker Schweissausdünstung benutzt wurde. Das erste Mal war ich froh, meinen Schlafsack dabeizuhaben….nach einer unbequemen Nacht erkundeten wir zusammen mit unserem vierbeinigen, schwarzfelligen Amigo, welchen wir Li-Ping tauften, und der uns adoptierte, weil ihm wohl unsere Streicheleinheiten gefielen, die Umgebung. Aber kaum waren wir im nächsten Dorf, traf er dort seine anderen vierbeinigen Freunde und wir waren vergessen. So sind sie, die Männer!
So zogen wir alleine weiter. Und da unsere Dusche eben keine war, badeten wir wie fast alle hier, im Fluss. Noch nie war mein Shampoo so schnell ausgespült! Eine gute Sache, so ein Fluss vor der Türe zu haben.
Am Abend dann war mir nicht mehr so gut, und ich verbrachte die Nacht damit, meinen Mageninhalt in einen Sack abzufüllen. Ich war am Morgen entsprechend fit…aber ich wollte weg aus diesem Kaff. Und so gings, dieses Mal in einem öffentlichen Bus, der mindestens 40 Jahre alt war und auch so aussah, zurück in die Zivilisation. Nach ein paar Stunden auf dem Busbahnhof fuhr unser `VIP-Bus` vor. Ein Bus mit richtigen Betten! Welch ein Luxus! Das Bett war genau so klein wie ich, es passte perfekt. Nach 10h Busfahrt um 06:00 Uhr wurden wir in der Hauptstadt aus dem Bus geworfen, gerne hätte ich noch ein wenig geschlafen!
Und jetzt sind wir also hier, in Vientiane. Heute Nacht gehts mit einem absolut unkonfortablen, normalen Bus nach Luang Prabang, weiter in den Norden….

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