Auf Reisen, Teil III

Als wir also am nächsten Morgen am Bootshafen ankamen, waren dort bereits 56`7844`544 andere Touristen. Die hatten mehr Glück und hatten bereits ein Boots-Ticket ergattert. Also keine Tickets für diesen Tag nach Cat Ba… `come tomorrow`….das Kampfsoili zeigte sich kämpferisch und trat mit dem Fuss gegen die Wand vor lauter Enttäuschung. Dabei streifte es meinen Rucksack. Ich sah das mit eigenen Augen. Es streitet alles ab, die Verhandlung betreffend der Höhe des Schmerzensgeld für meinen Rucksack wurde vertagt.
Ein netter Herr sprach uns an, er hätte noch zwei Plätze in seinem schönen Boot, nur die Ueberfahrt, inkl. Eintritt in der Tropfsteinhöhle, für lächerliche 210`000 Dhong. Für das andere Boot hätten wir 140`000 bezahlt pro Person. Aber wir WOLLTEN gehen, und zwar HEUTE, also griffen wir tief in unser Portmonee und zahlten den horrenden Preis. Der Herr und sein Guidekollege versprachen hoch & heilig, dass in diesem Preis alles inkl. sei….so schipperten wir also los, die `Bonzen`, welche die Tour früher buchten, genossen ihr Mittagessen. Wir sassen am ungedeckten Tisch nebenan und assen unsere Oreos…Bei der Tropfsteinhöhlen streckten wir dem Herr, der am Eingang stand und arg nach Alkohol roch, unsere Tickets entgegen. Und es kam, wie es kommen musste – der Eintritt war nicht inklusive! So begannen wir zu verhandeln. Am Anfang noch anständig, so wie wir es gelernt haben. Aber es half nichts. Schliesslich brüllten wir wie wild gewordene Tiger, drohten dem Guide, dass wir seinen Kollegen im Hafen aufsuchen werden und machten deutliche Zeichen, wie man jemandem an die Kehle springt. Schliesslich liessen sie uns herein. Wahrscheinlich hatten sie genug von uns, wir aber denken, dass sie einfach total eingeschüchtert waren.
Und so kamen wir in Cat Ba an, irgendwo an einem Pier im nirgendwo. Der Bus zum richtigen Hafen war im Ticket auch nicht inkl….also einmal mehr bezahlen…wären wir zu Fuss gegangen, wir wären wohl erst jetzt angekommen. Es war so schweinekalt auf Cat Ba, wir standen so lange unter der warmen Dusche, bis der Heisswasserboiler leer war. Das Kampfsoili wollte einmal mehr in die Natur, und so buchten wir eine Trekking-Tour im Dschungel von Cat Ba.

So waren wir tags darauf mit vier anderen, zwei Amerikanerinnen (48 und 67 Jahre alt!) und einem französichen Ehepaar (um die 55 Jahre alt) am Start. Die Franzosen waren so fit, die sind uns beinahme davongerannt…es war ein netter Tag, und für einmal hatten wir ein paar Schweisströpfli auf unserer Stirn…am Abend war es wiederum saumässig kalt, wir bestellten unser Abendessen im Hotel, duschten und hüpften in unsere Schlafsäcke. Die Strandpromenade von Cat Ba war ganz hübsch, aber ausser ein paar Chinesen, die in riesigen Gruppen sich dort verschoben und verlassenenen Sandstränden gab es nichts zu sehen, geschweige denn, zu tun.

Um 05:00 Uhr (!) Tagwach. Der Bus, der uns um 05:30 Uhr hätte abholen sollen, kam erst um 06:10 Uhr; kein Problem, wir warten gerne frühmorgens in der Kälte draussen.
Das `Fast-Boat`, welches wirklich noch fast war, brachte uns ans Festland, nach Haiphong. Von dort aus gings weiter mit dem Bus nach Hanoi. Ja, unsere Reisepässe…wir haben sie wieder. Den Tag verbrachten wir mit ein wenig inderstadtherumspazieren. Am Abend um 19:00 Uhr wurden wir im Hostal abgeholt und die Reise ging weiter, nach Hue. Wir hofften immer noch auf besseres Wetter….Dort kamen wir am nächsten Morgen um 10:00 Uhr an. Das Wetter war nur bedingt besser. Immerhin ein wenig wärmer, aber noch immer bewölkt.

Das Kampfsoili war einmal mehr kämpferisch und handelte den Zimmerpreis von 8 USD auf 5.20 USD herunter. Und die Dame an der Reception war so nett und bot an, unsere Wäsche (es waren immerhin 6 Kilo!) zu waschen, nicht unentgeltlich, natürlich. Und sie versprach auch, dass diese noch am selben Abend um 18:00 Uhr trocken zurück sei. Versprach sie. Es war nach 18:00 Uhr, die Wäsche kam zurück. Noch feucht. Kein Problem, schliesslich wollten wir erst am nächsten Morgen wieder los. Am nächsten Morgen wiederholte sich dieses Schauspiel noch 3x Mal. Schliesslich wurde die Zeit knapp und wir packten nach einer weiteren unschönen Diskussion unsere feuchte Wäsche in den Rucksack. Immerhin erhielten wir einen Teil des Geldes zurück. Und was haben wir daraus gelernt? Versprechen sind hier eine Art Versprecher und dass wir niemals etwas im Voraus bezahlen sollten…

Pünktlich standen wir am Zugbahnhof. Da der Zug überfüllt war, durften wir im Schlafwagen Platz nehmen. Wir teilten uns also eine 4er-Kabine zusammen mit einer 4-köpfigen Vietnamesen-Familie. Sinn & Zweck dieser Zugfahrt war die schöne Zugstrecke entlang der Küste. Von diesem Schlafabteil aus sahen wir jedoch nicht gerade viel….aber es war bequem und die Hälte der Zeit standen wir im Korridor und kamen so in den Genuss der schönen Landschaft, die grösstenteils im Nebel war.
In Danang angekommen, mussten wir zu einem Tourbüro, welches wir nach nur 3km Fussmarsch erreichten. Von dort würden von einem Bus abgeholt, der uns dann nach Hoi An bringen würde. Würde. Wir standen in diesem Büro. Dort hatte es, entschuldige meine Wortwahl, drei extrem schlecht aussehende Tussen, die keinen Dhong wert waren. Sie meinten, dass unser Ticket nicht bestätigt sei, dass um 15:00 Uhr keinen Bus käme und dass sie auch nicht das Ticket bestätigen können, weil das die Aufgabe des anderen Tourbüros sei, in welchem wir die Tour buchten. Wir sollten also dem anderen Tourbüro anrufen und sagen, dass dieses das Büro hier anrufen soll….sichtlich genervt verliess ich das Büro, dieses Mal war es Kampfsoili, das einigermassen die Contenance bewahrte. …Ich durfte im Hotel nebenand dem anderen Tourbüro anrufen. Es war ein eigentliches Drohtelefon. `Falls heute keinen Bus eintreffen sollte, kommen wir zurück nach Hue und du wirst Aerger haben…`. Ich war ziemlich sauer. Es ist hier nämlich an der Tagesordnung, dass Bustickets oder Touren verkauft werden, die dann aber nicht stattfnden, weil alles nur ein Fake ist…Die Vorstellung, dass wir solchen Ganoven auf den Leim gegangen sind, machte mich wütend. Die Hotelbesitzer waren aber extrem freundlich und meinten, dass um 17:00 Uhr ein Bus eintreffen sollte. Sollte. Also warteten wir 2 1/2 Stunden am Strassenrand auf den Bus, der dann auch eintraf und uns nach Hoi An brachte.

Nach langer Suche fanden wir ein kleines Familienhotel, welches uns ein nettes Zimmer inkl. gefrässigen Mücken vermietete. Tags darauf kämpften wir uns um 8:00 Uhr aus unseren Betten, mieteten Fahrräder und radelten zum Busbahnhof. Wir wollten die Tickets direkt beim Busbahnhof kaufen und nicht mehr über einen Ganoven-Touranbieter….unser Nervenkostüm ist bereits genug strapaziert. Doch am Busbahnhof gibts keine Tickets. Die Mafia hier ist gut organsiert, die Tickets gibts nur über einen Touranbieter. :-)
So sind wir also zurück in die Altstadt gefahren, wo wir am Fluss unser Frühstück geniessen wollten. Kurz vor unserem Picknick-Platz erspäten wir auf dem Gehsteig einen Motorradfahrer, einen Easy-Rider. Das ist hier eine Organisation, die wirklich tolle Motorradtouren v.a. in das Zentrale Hochland von Vietnam, anbietet. (danangeasyriders.com) Wir studierten während dem Frühstück das Gästebuch und die Reisefotos. Nach zähen Verhandlungen buchten wir eine Tour. Das Kampfsoili wird sechs Tage auf der Rückbank Platz nehmen, ich drei Tage. Ich möchte, bevor es wieder zurück in die kalte Heimat geht, mir nochmals einen rechten Sonnenbrand am Strand einfangen und beim Versuch, ein bisschen surfen zu lernen, viel Salzwasser aus dem Südchinesischen Meer schlucken.

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